Unbekannt, am 06.02.2000 |
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Zugunglück in Brühl eom Brühl/
Erftkreis - Ein
schweres Zugunglück mit mindestens 7 Toten und 20 Schwerverletzten hat sich
am frühen Sonntagmorgen im Bahnhof Brühl bei Köln ereignet. |
N24, am 07.02.2000 |
| Neun Tote bei Zugunglück in Brühl N24: Lokführer des D-Zugs hatte nur eine Kurzausbildung - Unfallursache ist wahrscheinlich überhöhte Geschwindigkeit
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N-TV am 07.02.2000 |
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Neun
Tote bei Zugunglück nahe Brühl Bei
einem Zugunglück südlich von Köln sind nach Polizeiangaben in der Nacht
mindestens neun Menschen ums Leben gekommen. Ein Bahnsprecher teilte mit, dass
weitere 20 Personen “schwerst verletzt” und 105 “leicht oder schwer verletzt”
seien. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Opfer gefunden
werden. Der Zug entgleiste um 0.13 Uhr kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof
Brühl an einer Gleisbaustelle. |
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Vorletzter
Waggon in Brühl geborgen |
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Zugunglück bei Köln: Neun Tote 22 Menschen werden vermisst Zug fuhr dreimal schneller als erlaubt |
Kölner - Stadt - Anzeiger vom 07.02.2000 |
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| Keine weiteren Opfer Vorletzter Waggon Montag Morgen geborgen Brühl (dpa) - Nach dem schweren Zugunglück in Brühl bei Köln haben die Rettungskräfte die Bergung des vorletzten Waggons am Montagmorgen abgeschlossen. In dem Wagen seien keine weiteren Opfer gefunden worden, sagte ein Kölner Polizeisprecher. Mittlerweile habe die Bergung des letzten der verunglückten Waggons begonnen. Im Laufe des Vormittags werde Gewissheit herrschen, ob sich darin noch Menschen befinden. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei sind bei dem Unglück neun Fahrgäste ums Leben gekommen. Zehn Personen erlitten schwerste, 42 schwere und 44 leichte Verletzungen. Der Nachtexpress D 203 von Amsterdam nach Basel war am frühen Sonntagmorgen im rheinischen Brühl entgleist. Bei der Identifizierung der Opfer erhofft sich die Polizei heute (Montag) Mittag erste Ergebnisse. "Die Fahrgäste kamen von fünf Kontinenten, deshalb ist das äußerst kompliziert", sagte der Polizeisprecher. "Alles geht nur sehr langsam voran." 22 Personen würden noch immer vermisst. Jedoch sei davon auszugehen, dass sich viele von ihnen unter Schock stehend vom Unfallort entfernt hätten. Trauerbeflaggung
in NRW
Brühl - Das schwere Zugunglück, das sich in der Nacht zum
Sonntag im Bahnhof Brühl zwischen Köln und Bonn ereignet hat, ist nach ersten
Ermittlungen in erster Linie auf menschliches Versagen zurückzuführen. Obwohl
wegen Bauarbeiten nur eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern
erlaubt war, raste der D-Zug Amsterdam-Basel mit Tempo 122 auf eine Weiche zu
und sprang dann aus den Gleisen.
Ersten Ermittlungen
zufolge hatte der 28 Jahre alte Lokführer den Zug vor der Baustelle auf die
vorgeschriebenen 40 Stundenkilometer gebremst, dann jedoch aus zunächst
unbekannten Gründen zu früh wieder beschleunigt. Der Lokführer verweigerte die
Aussage; er musste mit einem schweren Schock in eine Klinik gebracht werden. Leitender Notarzt berichtet Geschichte: Sechs Tote bei Zugunglück in
Königsdorf 1983 |
Kölner Rundschau, am 08.02.2000 |
| Feuerwehrleute, Polizei und
Helfer aus dem Erftkreis arbeiteten Hand in Hand auf Hochtouren Brühl brennt sich ins Gedächtnis der Nation Von Manfred Theisen Brühl. Er hört nur den Regen, wie er auf das Zeltdach trommelt. Sebastian Eckhardt sitzt durchgefroren auf der Holzbank im Zelt des Technischen Hilfswerks aus Brühl und umklammert den Plastikbecher. Die ganze Nacht ist der Helfer des THW an der Unglücksstelle gewesen und hat seine 200 Kollegen - fast alle aus dem Erftkreis - von Feuerwehr und THW und ausgehungerte Journalisten versorgt. Speiseplan: Spargelcreme-, Gulasch-, Hühnersuppe und Schokobrote. Die Sonne geht auf an diesem Montag - zum zweiten Mal nach der Katastrophe. Sebastian Eckhardt ist in dieser Nacht der Anblick der Toten erspart geblieben. Anderen nicht: Einer der Feuerwehrmänner hatte zwei Stunden lang den Arm eines Toten gesehen, ehe er geborgen werden konnte", sagt Pfarrer Bernd Stollewerk aus Frechen. Er und drei weitere Notfallseelsorger aus dem nördlichen Erftkreis waren in den vergangenen 30 Stunden vor Ort. Eine Nummer, die auch nachts klingelte, war die 79 20 00 im Brühler Rathaus, einen Steinwurf entfernt. Dort hatten Bürgermeister Michael Kreuzberg und sein Stab eine Hotline für Angehörige eingerichtet. "Es riefen auch Leute an, die helfen wollten." Der Kämmerer Brühls, Dieter Freytag, ist erschöpft und gerührt von der Hilfsbereitschaft der Leute im Erftkreis: "Sogar eine Krankenschwester und ein Übersetzer wollten uns unter die Arme greifen. Auch muss ich sagen, dass die Koordination zwischen den Einsatzkräften einfach hervorragend funktioniert hat." Der Stab um Kreuzberg hatte Glück im Unglück, denn die Hotline-Nummer war noch heiß: Eingerichtet wurde sie ursprünglich, um in der Millennium-Nacht dem Computergau entgegenzutreten. Alle sind sie an diesem Morgen übermüdet, und der Kaffee wärmt nicht nur die Hände, sondern weckt auch die Lebensgeister von Sebastian Eckhardt. Er wird übermorgen wieder als Chemikant bei Bayer arbeiten. Einer, der in dieser Nacht zwar zu Hause war, aber wieder keinen Schlaf fand, ist Kreuzberg. "Das Telefon stand bei uns nicht still", sagt er. Zudem ist er ohnehin zu aufgewühlt - "mitgenommen". Noch recht frisch im Amt steht sein Städtchen plötzlich im Licht der Öffentlichkeit. Er weiß: Der Name Brühl wird wie Eschwege durch die Unglücksnacht ins Gedächtnis der Nation gebrannt. Gerade an der Stelle, wo um die Jahrhundertwende die Züge langsam fahren sollten, damit die feinen Bürger aus Bonn und Köln sich am Schloss weiden konnten, geschah der Unfall. Eine Katastrophe, die die "Max-Ernst-Stadt" aus dem Dornröschenschlaf reißt. Während Sebastian Eckhardt endlich abgelöst wird, gehen bei Adelheid Kaiser die Gitter hoch. Sie öffnet ihren Kiosk - 100 Meter von der Unglücksstelle entfernt -, mit Blick auf den Bahnhof. "Gestern - am Sonntag - war es hier voll wie bei einer Volkswanderung", sagt sie. "Die Leute sind von überall her angereist, um mal zu gucken." Die Kasse des Kiosks klingelte, doch Adelheid sieht den Katastrophen-Tourismus kritisch. "Hier neben dem Kiosk gibt's einen Aufgang, der gleich zu den Gleisen hochführt. Wenn man da ein bisschen klettert, ist man fast am Unfallort." Sie hat das Tor gleich abgeschlossen, als Jugendliche den Schleichweg nehmen wollten. Jetzt nach Morgengrauen müssen die Polizisten - unter denen rund 20 aus dem Erftkreis sind - die Schaulustigen zurückweisen. Einer hatte sogar so getan, als müsse er seinem Hund hinter die Absperrung folgen. Andere hatten versucht über die angrenzenden Gärten der Nachbarn zur Unfallstelle zu gelangen. Der Bürgermeister ist mittlerweile seit zwei Tagen wach und müde. Aber für ihn fängt der Tag jetzt erst richtig an, denn eine Pressekonferenz jagt die andere im sonst so überschaubaren Brühl. |
Yahoo am 08.02.2000 |
Dienstag, 8. Februar 2000, 11:05 Uhr
Zugunglück: Weitere Waggons geborgenBrühl (dpa) - Die Bergung des Zugwracks auf dem Bahnhof von Brühl wird voraussichtlich in wenigen Stunden abgeschlossen sein. «Bisher sind 70 Prozent der Wagen geborgen, der Rest wird wohl bis zum Nachmittag abtransportiert sein», erklärte der Sprecher der Deutschen Bahn AG in Nordrhein-Westfalen, Manfred Ziegerath, am Dienstagmorgen. Allein die Lokomotive sei noch ein Problem. Der Triebwagen war in ein Haus direkt am Bahnhof gerast und muss möglicherweise vor dem Transport zerlegt werden. Bis zur Aufnahme des Zugverkehrs auf der üblichen Strecke zwischen Frankfurt und Köln könnten noch einige Tage vergehen. Auch der Bahnsteig müsse erst wieder hergerichtet werden, hieß es. Bei den Arbeiten in der Nacht waren unter den Trümmern keine weiteren Opfer gefunden worden. Bei dem Zugunglück waren am Sonntag acht Reisende, eine Frau und sieben Männer, ums Leben gekommen. Sie stammen nach Angaben der Kölner Polizei alle aus Deutschland. «Die Identifikation ist bis auf einen Fall abgeschlossen», erklärte ein Polizeisprecher am Dienstag. 149 Menschen hatten teils schwerste Verletzungen erlitten. Von den 46 Menschen, die am Dienstag noch im Krankenhaus lagen, befand sich ein Patient noch in Lebensgefahr. Unterdessen verdichteten sich die Hinweise auf menschliches Versagen als Ursache des Unglücks. «Zehn Züge sind mit dem gleichen Verzeichnis für Langsamfahrstellen wie der Lokführer des Nachtexpress problemlos über die Weiche gefahren», erklärte Bahn-Sprecher Ziegerath. Absolut verbindlich für die Lokführer seien die Signale. Die Zeichen hätten auf dieser Teilstrecke eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Stundenkilometern angezeigt. «Das Signalbuch ist eine Rechtsvorschrift», meinte Ziegerath. |
dpa am 08.02.2000 |
Dienstag, 8. Februar 2000, 07:28 Uhr
Weiter keine Klarheit über Brühler ZugunglückBrühl (dpa) - Zwei Tage nach dem schweren Zugunglück von Brühl bei Köln gibt es weiter keine Klarheit über die Ursache. Es wird weiter gerätselt, warum der Lokführer mit rund 120 Stundenkilometern drei Mal schneller als erlaubt in die Katastrophe raste. Bahnchef Mehdorn warnte vor einer Vorverurteilung des 28-jährigen Zugführers, der noch immer nicht vernommen werden kann. In Brühl gehen die Aufräumarbeiten inzwischen weiter. Acht Menschen kamen ums Leben, ein Verletzter schwebt noch in Lebensgefahr. Insgesamt wurden 149 Menschen verletzt. |
| Kölner Stadt Anzeiger 10.02.2000 |
| Zugunglück in Brühl Großes Lob für die Retter Rau und Clement nehmen am Gottesdienst teil Von Bettina Jochheim Brühl - "Ich bin der Lokführer. Ich muss helfen." Mit diesen Wort sei der 28 Jahre alte Zugführer Sacha B. auf ihn zugekommen, berichtete gestern in einer Pressekonferenz Heinz-Albert Brüne, leitender Notarzt im Erftkreis, von seiner ersten Begegnung mit dem Weilerswister Eisenbahner in der Nacht von Samstag auf Sonntag am Unglücksort in Brühl. Der Mann sei geschockt umhergeirrt und habe sich quasi an seinen Rockzipfel gehängt. Brüne habe ihn behandelt und wegbringen lassen. In einer ersten Bilanz lobten Offizielle des Erftkreises den selbstlosen Einsatz aller Rettungskräfte. Landrat Werner Stump sprach von einer nur kurzen Chaosphase: "Es gab kein Kompetenzgerangel, es gab nur den Willen zu helfen." Stump und Brühls Bürgermeister Michael Kreuzberg dankten den Rettungskräften sowie der Brühler Bevölkerung. "Brühler Bürger spendeten Blut, boten Dolmetscherdienste an und halfen in den ersten Minuten den Verletzten aus dem Unglückszug", sagte Kreuzberg. Als erste Helfer waren Brühler Feuerwehrleute fünf Minuten nach der Entgleisung des D-Zugs 203 vor Ort. Insgesamt seien 847 Helfer tätig gewesen. Nach Angaben Brünes war bereits 15 Minuten nach dem Unfall ein Platz für die Verletzten in der Gaststätte "Brauhaus am Schloss" eingerichtet worden. Etwa 2,5 Stunden nach dem Unglück, bei dem acht Menschen starben, seien alle Schwerverletzten in Kliniken untergebracht gewesen. 19 Krankenhäuser seien in Alarmbereitschaft versetzt worden. Insgesamt seien 137 Patienten behandelt worden. Besonderes Lob sprachen alle übereinstimmend dem Eigentümer des Brauhauses, Albert Damaschke, aus. In der Gaststätte waren Verletzte behandelt und Helfer versorgt worden. Zeitgleich mit der Pressekonferenz liefen gestern die Vorbereitungen zum Abtransport der Lok auf Hochtouren. Mit Hilfe von zwei Kränen soll sie über Stahlplatten durch die Gärten vom Haus weggezogen werden. Und während auf der einen Seite der Häuser weitere Bäume abgeholzt wurden, klingelten Mitarbeiter der Bahn AG bei Anwohner der Sackgasse "Am Inselweiher" und überreichten - wie versprochen - Blumensträuße. Am Sonntag, 13. Februar, 18.30 Uhr, wird es in der katholischen Kirche St. Margareta in Brühl einen Gedenkgottesdienst geben. Bundespräsident Johannes Rau, Ministerpräsident Wolfgang Clement und Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt haben ihr Kommen angekündigt. |
| Kölner Stadt Anzeiger vom 14.02.2000 |
| Trauer-Gottesdienst "Für die Angehörigen wird es ein Trost sein" Gedenken an die Opfer des Bahnunglücks in Brühl Von Bettina Jochheim Brühl/Erftkreis - "Es sind Bilder, die sich in die Seele eingebrannt haben", sagte der evangelische Katastrophenseelsorger Holger Reiprich-Meurer in der Pfarrkirche St. Margareta in Brühl. Auf einer großen Bildwand wurde gestern Abend der ökumenische Gedenkgottesdienst für die Toten des Bahnunglücks übertragen. Etwas mehr als 100 Menschen standen ergriffen auf dem Marktplatz und lauschten den Worten der Geistlichen. Zuvor hatten Polizeitruppen die Kirche in der Brühler Innenstadt von Suchhunden inspizieren lassen. Gegen 17.30 Uhr trafen die ersten Angehörigen der Toten sowie zahlreiche Verletzte ein. Sie wurden in einer Seitenstraße in Empfang genommen und zunächst in den Pfarrsaal geleitet. Wenig später fuhren unter anderem Bundespräsident Johannes Rau, Ministerpräsident Wolfgang Clement, Bundesverkehrsminister Reinhard Klimmt und Bahn-Chef Hartmut Mehdorn vor. Sie wurden ebenfalls ins Innere des Pfarrhauses geführt. Derweil hatten sich schon zahlreiche Brühler um die Kirche versammelt. "Ich finde es wunderbar, dass es diesen Gedenkgottesdienst für die Toten gibt. Ich glaube, für die Angehörigen wird es ein Trost sein," sagte Edith Gründel, die selbst ganz nahe an der Brühler Bahnstrecke wohnt und noch in der Nacht des Unglücks zum Bahnhof gegangen war, um dort ihre Hilfe anzubieten. Zweifel äußerte sie, ob Bahn-Chef Mehdorn wohl den Mut haben werde, am Gottesdienst teilzunehmen. Er kam - und mit ihm seine Frau Helen. Plötzlich wurde es unruhig. Ein Feuerwehrmann lief um 18.15 Uhr, 15 Minuten bevor Joachim Kardinal Meisner erwartet wurde, in die Kirche. Als der Feuerwehrmann wieder heraus kam, folgten ihm fünf Wehrmänner. Die Sirene beantwortete die nicht gestellten Fragen der Wartenden: ein Feuer ganz in der Nähe. Schließlich wurden die Angehörigen und Verletzten vom Saal quer über den kleinen Platz zum Portal geführt, wo Meisner sie begrüßte und sein Beileid aussprach. Pünktlich um 18.28 Uhr begannen die Glocken zu läuten. Hans-Josef Radermacher, Pfarrer in der Kirche St. Margareta, wurde auf der Bildwand gegenüber des Rathauses sichtbar. Die Menschen auf dem Platz verstummten, folgten seinen Worten betroffen. Unter ihnen auch Lydia Böhnhardt aus Frechen und die Brühlerin Christa Becker. "Ich hatte von dem Gottesdienst gehört und bin aus Frechen hierher gefahren", sagte Böhnhardt. Die 600 Plätze in der Kirche waren jedoch besetzt, so seien sie beide auf den Marktplatz gegangen. "Auch hier können wir Anteil am Schicksal der Betroffenen nehmen," meinte Becker. Erstaunt zeigte sich Angelika Thormeier, dass nicht mehr Menschen auf den Marktplatz gekommen waren. "Ich glaube, einen Tag nach dem Unglück waren mehr Menschen am Bahnhof als heute beim Gottesdienst", bedauerte sie. |